Inmitten der tiefschwarzen Welt

Inmitten der tiefschwarzen Welt



Dokumentarfilm, HD Farbe, 90 Minuten, in Produktion seit 2015

2014 bekam der japanische Lackkünstler Chitaka Hashimoto (44) einen besonderen Auftrag: Er soll eine Lackdose in einer Qualität herstellen, die den Nationalschätzen Japans ebenbürtig ist. Vier Jahre lang begleitet der Film den unfassbar aufwendigen Herstellungsprozess dieser Dose und das Leben eines einzigartigen Künstlers.

Synopsis

Toyama, eine kleine Stadt in der Nähe der japanischen Alpen, direkt am japanischen Meer. In einem alten traditionellen Landhaus lebt und arbeitet Hashimoto mit seiner Frau und drei kleinen Kindern. Was hier entworfen wird, ist eine kleine Lackdose mit einem Durchmesser von 18 cm, in die er sein gesamtes Können und seine profunde Kenntnis über den japanischen Lack Urushi einbringen wird. Urushi ist ein natürlicher Beschichtungsstoff, gewonnen aus dem Urushi-Baum. Der Urushi-Saft in der flüssigen Form ist giftig und erfordert ein komplexes Verarbeitungsverfahren.

Allein für die Grundierung sind 40 Arbeitsschritte nötig und jeweils etwa 7 bis 10 Lackschichten pro Arbeitsschritt. Die Grundierung hat Hashimoto bereits zwei Jahre gekostet. „Es war die Hölle“, sagt er mit lächelnden Augen umrandet von dunklen Ringen, aber er meint es ernst. Jeder Arbeitsschritt erfordert Geduld und Präzision. Die nun bevorstehende Arbeit ist die Gold- und die Perlmuttverzierung, welche höchste Konzentration und Geschicklichkeit erfordern. Im Laufe des Films entwickelt sich der Glanz des Lacks Schritt für Schritt. Mit enormem Zeitaufwand wird die kleine Lackdose mit feinen Mustern und Motiven präzise verziert.

Nebenfiguren dieses an Wahnsinn grenzenden künstlerischen Prozesses sind seine Frau und seine Kinder. Während die Ehefrau als ausgebildete Lackkünstlerin an allen Arbeitsschritten beteiligt ist, dürfen die Kinder die Werkstatt nicht betreten. Die gemeinsamen Mahlzeiten sind der einzige Begegnungspunkt ihrer verschiedenen Welten.

Die Zeit, die in diese kleine Lackdose investiert wird, ist ein wichtiger Faktor des Films. Um das Vergehen der Zeit zu erzählen, werden die Veränderungen in der Natur im Laufe der vier Jahreszeiten (z. B. der Garten seines Hauses, die landschaftliche Szenerie und die Lackbäume, die er 2016 auf zwei Feldern angepflanzt hat), seine wachsenden Kinder und die innere Entwicklung des Künstlers selbst festgehalten.

Nach zweieinhalb Jahren Arbeit kommt aus einem Holzstück langsam eine Lackdose zum Vorschein. Der erstaunlich lange und aufwendige Herstellungsprozess, der ungefähr vier Jahre dauern soll, wird in einem Film von ca. 90 Min. komprimiert. Die intensive Arbeit wird verdichtet. Die sich wiederholenden Handbewegungen sind im Film beinahe meditativ. Dabei sieht man die innere Veränderung des Künstlers. Seine Worte sind sehr durchdacht und gleichzeitig sehr ernst. Ich als Regisseurin stelle ihm Fragen und führe Gespräche. Bis zur Fertigstellung wird Hashimoto noch viele technische Herausforderungen meistern müssen und sich als Künstler und Mensch weiterentwickeln. Der Film vertieft sich in seine Welt und untersucht dabei den Akt der menschlichen Kreativität.

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